Welche Kleidung bei einer Abendveranstaltung erwartet wird – White Tie, Black Tie, Frack, Smoking?

Frack Smoking

Die Party-Saison ist eröffnet – keine Einladung ohne Hinweis auf den gewünschten Dresscode. Und damit stellt sich vielen von uns die Frage: Was ziehe ich bloß an? Wir verraten, was sich hinter den Begriffen „White Tie“ oder „Black Tie“, Frack oder Smoking verbirgt.

 

Weiß oder Schwarz?

„White Tie“ oder „Black Tie“, Frack oder Smoking – welche Kleidung bei einer Abendveranstaltung erwartet wird, ist stets auf der Einladung vermerkt. Heißt es „White Tie“, „Cravate Blanche“ oder „großer Gesellschaftsanzug“, dann muss Frack getragen werden. Häufiger wird man aber lesen „Black Tie“, „Cravate Noir“ oder „Gesellschaftsanzug“, womit dann der Smoking gemeint ist.

Der Smoking

Edward VIII im SmokingAls Vorläufer des Smokings wird das Smoking Jacket angesehen. Der Samt, aus dem diese Jacke bestand, hatte ursprünglich auch kräftige, dunkle Farbtöne, wie etwa Weinrot, Tannengrün oder ein tiefes Dunkelblau. Diese Smokingjacke zog man statt der Frackjacke an, wenn man sich nach dem Dinner zum Rauchen ins Raucherzimmer begab, um dort einen Digestif zu trinken oder Karten zu spielen.
Der Ursprung des Smokings in seiner heutigen Form lässt sich nicht sicher datieren. Vermutlich ging man in der Mitte des 19. Jahrhunderts vereinzelt dazu über, sich das genannte Smoking Jacket aus schwarzem Stoff anfertigen zu lassen, um es auch zu informellen Essen tragen zu können – das Dinner Jacket war geboren. Der Smoking wurde bis in die frühen 1920er Jahre nur bei Privatgesellschaften getragen. Zu formellen Abendveranstaltungen blieb der Frack das einzig angemessene Kleidungsstück. Erst danach gewann der Smoking immer mehr an Bedeutung, bis er Ende der 30er Jahre den Frack bei den meisten Anlässen zu ersetzen begann.

smokingjacke mit steigendem spitzreversSmokingjacke mit steigendem Spitzreversjames bond roger moore im spitzkragen smokingJames Bond – Roger Moore im Spitzkragen SmokingEine klassische Smokingjacke besteht aus einem einreihigen oder zweireihigen Sakko ohne Rückenschlitz. Die Farbe ist schwarz oder mitternachtsblau. Die einreihige Smokingjacke hat nur einen Schließknopf. Das Revers ist mit Seidensatin besetzt. Es kann als steigendes Spitzrevers oder als Schalfasson (Tuxedo) ausgeführt sein.
Die Sakkotaschen werden als Paspeltaschen (ohne Klappe) ausgeführt. Die Knöpfe werden mit dem gleichen Material wie das Revers besetzt.
smokingjacke in schalfasson tuxedoSmokingjacke in Schalfasson (Tuxedo)james bond sean connery im tuxedo smokingJames Bond – Sean Connery im Tuxedo

Zu einer Smokingjacke trägt man eine aufschlaglose Hose mit einem einfachen Galon. Die Smokinghose wird im gleichen Stoff wie die Jacke und der Galon im gleichen Material wie der Seidenspiegel des Revers ausgeführt. Mit Ausnahme des weißen Dinnerjackets: hier ist die Hose schwarz. Der Bund wird vom Kummerbund verdeckt und liegt auf Höhe des Bauchnabels. Die Smokinghose hat keine Gürtelschlaufen. Stattdessen wird die Hose von Hosenträger gehalten. Diese sind aus schwarzer oder weißer Seide. Die Bundweite kann mit Hilfe von an der Seite angebrachten Knöpfen verstellt werden.

Zum Smoking trägt man ein Hemd in Weiß oder leicht ecru. Es zeichnet sich durch Umschlagmanschetten aus. Der Kragen ist meist ein traditioneller Kläppchen- (Vatermörder) oder Kentkragen.
Zum Smoking wird traditionell eine schwarze Schleife und dazu ein schwarzer Kummerbund getragen.
Die Schuhe müssen schwarze Lackschuhe oder auf Hochglanz polierte Schnürschuhe mit dünner Ledersohle sein.
smokinghose hemd schleife kummerbund lackschuhe

Der Frack

FrackjackeDer Frack ist das eleganteste Kleidungsstück des Mannes. Fred Astaire gehörte zu den berühmtesten Frackträgern überhaupt, denn er trug ihn in zahllosen Tanzszenen seiner Filme. Ohne Zweifel sah der Frack an ihm besonders gut aus.
Der Ursprung des Fracks liegt im englischen Frock. Dies war ein Kleidungsstück der unteren, arbeitenden Schichten. 1730 begannen junge Adelige diesen Frock zu informellen Anlässen zu tragen. Ab 1800 setzte sich dieser „frac à l’anglaise“ immer mehr durch. In den folgenden Jahren veränderte sich der Frack im Schnitt kaum, außer dass er in der Biedermeierzeit sehr tailliert war. Ab 1850 wurde der Frack allmählich nur noch zu besonderen Anlässen getragen. Ab den 1930er Jahren wurde der Frack teilweise vom Smoking verdrängt.

Der Frack wird heutzutage überwiegend zu besonders festlichen Anlässen ab 18 Uhr getragen. Den zu diesen Anlässen passenden Dresscode bezeichnet man als „Großer Gesellschaftsanzug“ (engl. „white tie“, franz. „cravate blanche“). Dieser Dresscode ist sehr streng und lässt der Person, die ihn trägt, nur wenig Spielraum für Individualität übrig.

Der Frack ist schwarz und besteht aus der Jacke mit knielangen „Schwalbenschwänzen“ am Rückenteil. Die Jacke ist vorne taillenkurz und grundsätzlich offen. Die spitzen Revers sind mit Seidensatin geschmückt. Die Schließ- und Ärmelknöpfe sind ebenfalls mit Satin bezogen.

Die Frackhose hat nie Umschläge und ist an den Seitennähten mit zwei Seidenbändern (Galons) verarbeitet. Die Frackhose ist gerade geschnitten und wird nicht mit Gürtel, sondern nur mit Hosenträgern getragen.

Dazu trägt man ein weißes Frackhemd mit gestärkter Piquébrust, Frackknöpfe aus Perlmutt oder Brillanten sowie Kläppchenkragen (Vatermörder) und Manschette, die mit Manschettenknöpfen geschlossen wird. Die Manschetten sollten zwei Finger breit unter dem Ärmelabschluss der Jacke hervorschauen.

Über dem Hemd wird eine weiße Frackweste getragen. Das Vorderteil ist mit Revers ausgestattet und kann zwei Westentaschen haben. Sie ist mit Perlmuttknöpfen oder mit piquébezogenen Knöpfen ausgestattet. Die Weste besitzt üblicherweise keinen Rückenteil und wird stattdessen hinten mit einem schmalen Taillenriemen gehalten.

Dazu wird eine weiße Schleife getragen. Weste und Schleife müssen aus dem gleichen Baumwoll-Piqué sein. Als Kopfbedeckung zum Frack wird oft ein schwarzer Zylinder getragen. Optionale Accessoires sind ein weißer Seidenschal und weiße Glaceehandschuhe. Erlaubt ist eine Taschenuhr mit Kette; das Tragen einer Armbanduhr gilt als Fauxpas.

Wie beim Smoking sind Lackschuhe zum Frack Pflicht.

Der Frack ist bei großen Bällen immer noch das passendste Kleidungsstück. Auf den großen und traditionsreichen Wiener Bällen ist zwar beispielsweise der Smoking auch erlaubt, dennoch kommen viele im Frack. Am Wiener Opernball, dem Philharmonikerball und dem Techniker-Cercle herrscht Frackzwang.

Frack

 

Frack&Smoking!

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